Diese Anleitung zum „neuen Wohnen“ aus der Zeit des Nationalsozialismus operiert mit der strikten Einteilung in Gut und Böse. Unter den Überschriften „Nicht so:“ „Sondern so:“ werden Negativ- und Positivbeispiele für Möbel und Gebrauchsgegenstände beschrieben und mit Fotos illustriert. Überbordender, altmodischer Dekor und Kitsch wird verurteilt, stattdessen eine „häusliche Athmosphäre von schlichter Kultur“ angestrebt.
An einigen Stellen findet eine klare Abgrenzung zu Gestalter*innen der Moderne statt. So wird Marcel Breuers Stahlrohrstuhl „Wassily“ als „Sitzmaschine“ bezeichnet, dessen Form „an einen Hinrichtungsstuhl“ erinnert. Es befinden sich aber auch Entwürfe von Werkbundmitgliedern wie Wilhelm Wagenfeld oder Bauhaus-Schüler*innen wie Marguerite Friedlaender unter den Positivbeispielen.
Das Buch zeigt, wie die Abwesenheit eines klaren ästhetischen Programms des Nationalsozialismus durch eine vermeintlich eindeutige, „schwarz-weiß“ Rhetorik verdeckt wird.
Diese Publikation ist im Bereich „Werkbund und Nationalsozialismus“ der Dauerausstellung des Werkbundarchiv – Museum der Dinge zu sehen. Bis zum 16. März zeigt das Museum außerdem auf der Objekt-Bühne die Präsentation „Verdrängtes Kapitel – Der Werkbund im Kontext des Nationalsozialismus“.