Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR

Donnerstag, 23. September 2021 bis Montag, 7. Februar 2022
Ausstellungsansicht Alltag formen! 1

Sonderausstellung „Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR“ im Museum Utopie und Alltag, Eisenhüttenstadt 2019, Foto: Kevin Fuchs.

Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR“ ist eine Ausstellung des Museum Utopie und Alltag, Eisenhüttenstadt und entstand 2019 anlässlich des Bauhaus-Jubiläums. Sie thematisiert die Bauhaus-Rezeption in der DDR. 
Passend zum diesjährigen Programmschwerpunkt „Ostmoderne“ übernimmt das Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Berlin die Ausstellung in leicht veränderter Form.

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Schaukelwagen, Entwurf: Hans Brockhage, 1950, Mitarbeit: Erwin Andrä, Seminar für Spielzeug an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (Betreuer: Mart Stam), Hersteller: VEB Holzspielwarenwerke Ohrdruf, Fotograf: Armin Herrmann für Museum Utopie und Alltag.
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Form+Zweck, Fachzeitschrift für industrielle Formgestaltung, Jg. 1983, Heft 5 (Hrsg.: Amt für Industrielle Formgestaltung); Titelentwurf: Lothar Schelhorn, Fotograf: Armin Herrmann für Museum Utopie und Alltag.

Funktional, langlebig und optimiert für die industrielle Massenproduktion: Alltag formen! stellt Objekte der Alltagskultur der DDR – Möbel, Gefäße, Technik, Grafikdesign – sowie ihre Gestalter*innen vor, die in der Tradition und für die Weiterentwicklung der Gestaltungsprinzipien des Bauhauses und der modernen Formgestaltung stehen.

So beleuchtet die Ausstellung u.a. die Möbelgestaltung der bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts für innovative Produkte stehenden Deutschen Werkstätten Hellerau anhand von Arbeiten der Formgestalter Franz Ehrlich, Selman Selmanagić und Rudolf Horn.

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Kaffeekännchen aus der Gastronomieserie „Rationell“, 1970; Entwurf: Margarete Jahny, Erich Müller, 1970, Hersteller: VEB Porzellankombinat Colditz, Fotograf: Armin Herrmann für Museum Utopie und Alltag.

In den Blick genommen werden zudem Einflüsse moderner und funktionaler Entwürfe wie die Wilhelm Wagenfelds auf Gefäßgestaltungen von Friedrich Bundtzen, Erich Müller, Margarete Jahny, Ilse Decho und Christa Petroff-Bohne. Es wird sichtbar, wie die Gestaltungsprinzipien Funktionalität, Langlebigkeit und Alltagstauglichkeit von Formgestaltern wie etwa Albert Krause auf neue Materialien wie Plaste übertragen wurden. Darüber hinaus zeigt sich in Designansätzen wie dem „offenen Prinzip“, das Karl Clauss Dietel und Lutz Rudolph etwa am Beispiel des Mokick Simson S50 demonstrierten, eine im Sinne der Flexibilität und Nutzerorientierung weiterentwickelte „lebendige Funktionalität“.

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Portionsschalen in Meladur, Entwurf: Albert Krause, 1959; Hersteller: VEB Preßwerk Auma, Fotograf: Armin Herrmann für Museum Utopie und Alltag.

Zugleich zeigt die Ausstellung den widersprüchlichen kulturpolitischen Umgang der DDR mit dem Bauhaus-Erbe: Auf frühe Ansätze zur Wiederbelebung folgen „Formalismus“-Vorwürfe, Verfemung und eine Rückbesinnung auf vermeintlich nationale Gestaltungstraditionen. Erst der industrielle Wohnungsbau ermöglicht eine vorsichtige Rehabilitierung der Moderne. Verbunden mit der Wiedereröffnung des sanierten Bauhauses Dessau im Jahr 1976 wird die vormalige Hochschule für Gestaltung schließlich zum Bestandteil des offiziellen Kulturerbes der DDR. 

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Bowlensatz „Romanze“, Entwurf: Friedrich Bundtzen, 1962; Hersteller: VEB Oberlausitzer Glaswerke Weißwasser, Fotograf: Armin Herrmann für Museum Utopie und Alltag.
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Ausstellungsplakat der Kunstsammlungen Weimar, Entwurf: Artur Liebig, 1968, Fotograf: Armin Herrmann für Museum Utopie und Alltag.

Alltag formen! beleuchtet die langsame Annäherung an das Bauhaus-Erbe in der DDR, über erste Publikationen und Ausstellungen in den 1960er Jahren bis hin zu Präsentationen wie die 1988 in Kooperation mit dem Westberliner Bauhaus-Archiv in Dessau gezeigte Ausstellung „Experiment Bauhaus“, die zum Gegenstand kulturpolitischer Selbstdarstellungen wurden.

Im Schatten dieser wechselvollen Rezeptionsgeschichte inspirierten vor allem in den Jahren der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der frühen DDR ehemalige Bauhäusler*innen wie Mart Stam und Walter Funkat durch ihre Gestaltungspraxis und Lehre an den Hochschulen der DDR eine nachfolgende Generation von Gestalter*innen, die ihrerseits die Alltagskultur entscheidend prägen sollte. 

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Mokick Simson S50, Entwurf ab 1967: Karl Clauss Dietel, Lutz Rudolph, Herstellung ab 1974: VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Suhl, Fotograf: Armin Herrmann für Museum Utopie und Alltag.

Die Ausstellung „Alltag formen!“ zeichnet den spannungsvollen Verlauf der Rezeption der von Werkbund und Bauhaus geprägten modernen Formgestaltung in der DDR nach und lädt dazu ein, ein bislang wenig beachtetes Kapitel deutscher Designgeschichte zu entdecken.

Am 28. Oktober 2021 findet um 19 Uhr die Präsentation der Publikation "DESIGN MADE IN GDR. Der Formgestalter Martin Kelm im Gespräch" des international bekannten Design-Experten und -Sammlers Günter Höhne zusammen mit Albrecht Ecke statt. 

Am 11. November 2021 findet, ebenfalls um 19 Uhr, eine Kuratorinnenführung mit Florentine Nadolni, Leiterin des Museum Utopie und Alltag, Eisenhüttenstadt, durch die Ausstellung statt. 
Für beide Veranstaltungen ist eine Anmeldung unter info@museumderdinge.de notwendig. Unsere aktuellen Hygiene-Bestimmungen finden Sie hier

„Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR“ entstand in Kooperation mit der weißensee kunsthochschule berlin, Fachgebiet Visuelle Kommunikation, sowie in Kooperation mit dem Deutschen Rundfunkarchiv. Sie wurde 2019 durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert und die Übernahme 2021 durch die Stiftung Preussische Seehandlung unterstützt.
Medienpartner ist Das Magazin.

Das Museum Utopie und Alltag vereint das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt und das Kunstarchiv Beeskow – Einrichtungen getragen vom Landkreis Oder-Spree und gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. 

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog im Weimarer Verlag mbooks erschienen.

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