Stabelbare, eckige Glasgefäße unterschiedlicher Formen
Vorratsgeschirr KUBUS, Entwurf: Wilhelm Wagenfeld, 1938 Herstellung: Vereinigte Lausitzer Glaswerke (VLG), Weißwasser
Foto: Armin Herrmann

KUBUS Vorratsgeschirr

Mit dem Spruch „Aus Speisekammer und Kühlschrank bereit für den Tisch“ wird das 1938 von Wilhelm Wagenfeld entworfene KUBUS-Geschirr beworben. Diese stapelbaren, preisgünstigen Vorratsgefäße dienen der optimalen Nutzung des Kühlschranks und der Speisekammer. Die schlichten Formen finden sogar auf dem gedeckten Tisch ihren Platz.

Obwohl 1938 nur wenige deutsche Haushalte über einen Kühlschrank verfügen, wird das Geschirr — in Anlehnung an den Volksempfänger und den Volkswagen — als „Volkskühlschrank“ bezeichnet. Auslöser für den Entwurf ist laut Wagenfeld das Streben nach einer Raumökonomie in seinem eigenen Kühlschrank: Die eckigen Gefäße mit Griffen und Tüllen aus Pressglas sind als Baukastensystem in 3 Höhen und 2 Breiten konzipiert, sogar Lüftungsschlitze sind mitgedacht.

Wagenfelds ästhetisches Programm ist – ganz im Sinne des Werkbunds – geprägt vom Streben nach Standardisierung und industrieller Produktion. Herkömmliche Ornamente und Dekor lehnt er ab. Während der Zeit des Nationalsozialismus ist er beruflich erfolgreich, obwohl er der NSDAP nicht beitritt: 1935 übernimmt er bei den Vereinigten Lausitzer Glaswerken die Funktion des künstlerischen Leiters und entwirft zahlreiche Muster und Serienformen für Glasprodukte, u.a das KUBUS-Geschirr. Für mehrere seiner Produkte erhält er Auszeichnungen auf internationalen Ausstellungen, die zum Ansehen des nationalsozialistischen Deutschlands beitragen.

Das Kubus-Geschirr wird in der 1939 erschienenen Warenkunde beworben und bis Ende der 1950er Jahre von unterschiedlichen Herstellern produziert.
Es ist noch bis zum 16. März 2026 im Kontext der Ausstellung „Verdrängtes Kapitel – Der Werkbund im Kontext des Nationalsozialismus“ zu sehen.