In Zeiten von hohen Mineralölpreisen und Tankrabatten erscheint dieser sonnige Aufruf zum Kauf billiger Kohle weit weg. Er stammt aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) der späten 1950er Jahre, wo nach der Teilung Deutschlands vor allem mit heimischer Braunkohle geheizt wurde. Dank staatlicher Subventionen wurde diese günstig verkauft. Im Sommer waren die Preise sogar noch niedriger. Diese „Sommerpreise“ sollten Menschen dazu animieren, frühzeitig Kohle einzulagern.
Das Plakat ist eine Studienarbeit aus dem 2. Studienjahr von Achim Frank, der zwischen 1956 und 1961 an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee Gebrauchsgrafik studierte. Auch wenn nicht bekannt ist, ob das Plakat jemals zum Einsatz kam, verweist der Entwurf auf den starken Praxisbezug des Studiums. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass es sich um eine Montage handelt: Das Kohlebrikett, das vor einer strahlenden Sonne prangt, ist eine Fotografie. Es ist zu vermuten, dass die Studienarbeit Achim Franks in der Lehre bei Klaus Wittkugel entstanden ist. Fotomontagen waren ein oft verwendetes Gestaltungsmittel des bekannten Gebrauchsgrafikers, der selbst bei dem Werkbündler Max Burchartz an der Folkwangschule in Essen studiert hat. Klaus Wittkugel prägte als Lehrender von 1949 bis 1975 Generationen von Grafikstudierenden an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee.
Das Plakat von Achim Frank und mehrere Gestaltungsentwürfe von Klaus Wittkugel, unter anderem für ein Logo der Hochschule und die Leuchtschrift des Café Moskau und des Kino International, sind in der neuen Sonderausstellung „Gestalten für Berlin. Design aus der Kunsthochschule Berlin-Weißensee“ im Werkbundarchiv – Museum der Dinge zu sehen.