Teller aus dem Speiseservice „Urbino“
Foto: Armin Herrmann
Ding des Monats November 2026

Teller aus dem Speiseservice „Urbino“

von Trude Petri-Raben

Dieser Teller ist Teil des Speiseservice „Urbino“ von Trude Petri-Raben aus dem Jahr 1931. Es gilt als Meisterwerk der Designgeschichte und als Vorbild für zeitloses Porzellan-Design. Ein Exemplar befindet sich in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York. Bis heute wird das Service „Urbino“ von der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) produziert und erfolgreich vertrieben.

Das Design des Tellers wurde zum Teil von den schlichten Keramiktellern der Renaissance in Norditalien inspiriert. Daher wurde das Service nach der italienischen Stadt Urbino. Eine weitere Inspirationsquelle für Petri-Raben waren ostasiatische Gefäßformen, die in der Ausstellung „Chinesische Kunst“ 1929 in Berlin gezeigt wurden. Auch die vom Deutschen Werkbund und vom Bauhaus vertretenen Gestaltungsprinzipien spiegeln sich in Petri-Rabens Werk wider. Insbesondere bei diesem Teller zeigt sich die markante Modernität von Petri-Rabens Entwürfen in der flachen, scheibenförmigen Form ohne Mulde und Fahne, also ohne einen abgesetzten Tellerrand. Der sogenannte Coupeteller brach mit traditionellen Formen und prägt das Tellerdesign bis heute.

Neben der pragmatischen Formgestaltung ist von großer Bedeutung, dass das Service einfarbig weiß ist. Heute sind weiße Tafelgeschirre sehr verbreitet, aber damals wurde Weißporzellan vor allem im technischen Bereich, etwa in Laboren und Krankenhäusern, eingesetzt. Dieser Verzicht auf dekorative Elemente stellt einen Bruch mit der Tradition bürgerlicher Geschirrsets dar, bei denen reich verziertes Porzellan als Statussymbol für die Familie fungierte. Auch für den Deutschen Werkbund wurde Laborporzellan mit seiner schlichten, zweckgebundenen und ornamentlosen Formgebung zum Vorbild einer modernen, funktionalen Gestaltung.

Trude Petri-Raben wurde 1906 in Hamburg geboren und besuchte dort die Keramikklasse an der Staatlichen Kunstgewerbeschule. 1927 zog sie nach Berlin, wo sie sich in der keramischen Fachklasse der KPM weiterbildete. Schon während ihrer Ausbildung war sie 1928 für die KPM als freie Mitarbeiterin tätig. Als 1929 Günther von Pechmann, ein Mitglied des Deutschen Werkbunds, die Leitung der Manufaktur übernahm, wurde Petri-Raben mit 23 Jahren als Gestalterin fest angestellt. Ihr Speiseservice „Urbino“ wurde 1936 auf der VI. Triennale di Milano mit der Goldmedaille und 1937 auf der Exposition Internationale in Paris mit einem Grand Prix ausgezeichnet. Auch nachdem Petri-Raben 1949 in die USA übersiedelt war, setzte sie die Zusammenarbeit mit der KPM fort und schuf bis 1967 noch viele erfolgreiche Modelle für die Manufaktur.

Trude Petri-Rabens frühe Arbeiten sowie weniger bekannte Werke, Entwürfe und Fotografien aus der Zeit nach ihrer Übersiedlung nach Nordamerika werden im Werkbundarchiv – Museum der Dinge anlässlich des diesjährigen 120. Geburtstags der Künstlerin im Rahmen der Objekt-Bühne „Trude Petri-Raben – Zwischen Berlin und Chicago“ präsentiert. Die Objekt-Bühne wird am Mittwoch, dem 25. November um 18 Uhr eröffnet.