Verfall und Vergänglichkeit im Museum

20. Apr 2023, 19 Uhr

Gesprächsveranstaltung mit Franziska Müller-Reissmann (ZHDK und Material-Archiv, Schweiz) und Renate Flagmeier (Leitende Kuratorin des Museums bis Ende 2022) in der Sonderausstellung „The Story of My Life. Objektbiografie als Konzept, Methode und Genre“ am Donnerstag, den 20. April um 19 Uhr.

Woraus und wie sind Dinge gemacht? Wie wurden sie im Laufe ihres Daseins verändert und wie bewahrt man sie auf? Müssen sie für immer erhalten bleiben? Oder darf man sie auch „sterben“ lassen? Welche Altersspuren werden als Zeichen einer Wertsteigerung akzeptiert und welche gelten als Zeichen der Auflösung?
Um materielle Veränderungen im Dasein eines Gegenstandes zu verstehen, verwendet die Restaurierungswissenschaft das Konzept der Objektbiografie. So werden die Beziehungen zwischen Umformungen, Schäden, Reparaturen und Alterungsprozessen offengelegt und Entscheidungen über jeweilige Behandlungen getroffen.
Das Konzept der Objektbiografie schließt aber auch die Endlichkeit oder den „Tod“ von Objekten mit ein. Wo Museen lange Zeit ausschließlich als Ort der Erhaltung galten, haben Digitalisierung und Nachhaltigkeitsbewusstsein eine Veränderung bewirkt. Es wird verstärkt darüber diskutiert, ob Museumsobjekte ein Recht auf Verfall haben und ob dieser gezeigt werden kann.
Das Museum der Dinge sammelt bereits seit den 1990er Jahren Dinge, die durch die Spuren ihrer Nutzung oder historische Ereignisse stark gekennzeichnet sind oder vor dem Verfall stehen.


Franziska Müller-Reissmann studierte nach einer Tischlerlehre Kunstgeschichte und Archäologie und war von 2008 bis 2018 am Museum für Gestaltung Zürich in den Sammlungen im Bereich der Konservierung tätig. Seit 2011 leitet sie das Material-Archiv an der Zürcher Hochschule der Künste und ist Dozentin für Materialgeschichte in den Departementen Design und Art Education. Seit 2018 ist sie die inhaltliche Koordinatorin des Schweizer Vereins MATERIAL ARCHIV.


„The Story of My Life“ erzählt in vier Kapiteln die Geschichte der Objektbiografie, fächert anhand zahlreicher Beispiele ihre Anwendungen auf und zeigt, was wir mit ihr sehen, was uns sonst verborgen bliebe, wem sie nützt und warum sie uns anspricht.
Die Ausstellung findet im Rahmen des 50. Jubiläums des Werkbundarchiv – Museum der Dinge statt.