Wachsfigur Lulu

Das ist Lulu. Also eigentlich Angelika.

Genau genommen Marise! Sie merken, es ist kompliziert, denn diese Wachsfigur, deren Arme und Unterkörper fehlen, hat ein bewegtes Leben hinter sich.

Ihre Geschichte geht so: Im Jahr 1927 wird sie von Pierre Imans, einem gefragten Schaufensterpuppen-Hersteller, in Paris gefertigt. Imans ist bekannt für seine portraithaften Figuren aus Wachs, in seinen Werkstätten werden echtes Haar, Glasaugen und Zähne aus Porzellan verwendet. In Imans Verkaufskatalog wird sie gemeinsam mit 74 weiteren weiblichen Modellen abgebildet und heißt „Marise“.

1973 gelangt die Puppe in die Sammlung des Werkbundarchiv – Museum der Dinge und wird zunächst „Angelika“ genannt, nach der damaligen Direktorin, da ihre Herkunft anfangs unbekannt ist. Seit 2007 ist sie, also die Puppe, in der Dauerausstellung zu sehen. Drei Jahre später sieht sie der Grafiker David Turner auf dem Titelblatt einer internationalen Designzeitschrift und wählt sie als Cover-Girl für das Album Lulu, das Lou Reed mit der Band Metallica und inspiriert von Frank Wedekinds Theaterstück Lulu (1913) und Alban Bergs gleichnamiger Oper (1937) aufnimmt. Die Cover-Fotos für das Album werden im Museum der Dinge gemacht. Zur Veröffentlichung im Oktober 2011 reist Lulu persönlich nach New York. Zu ihren Ehren findet ein Dinner statt und zahlreiche prominente Gäste machen Selfies mit ihr, die an diesem Abend sogar einen eigenen Bodyguard hat. Nach ihrer Rückkehr wird beschlossen, dass sie nicht mehr verreisen darf. Lulus Wachshaut ist zu empfindlich und sie hat zu viele Haare verloren.

Lulu bzw. Angelika bzw. Marise ist aktuell Teil der Sonderausstellung „The Story of My Life. Objektbiografie als Konzept, Methode und Genre“, die noch bis zum 4. September im Werkbundarchiv – Museum der Dinge zu sehen ist.

Ausstellungsansicht Story of My Life, Werkbundarchiv – Museum der Dinge

The Story of My Life

Objektbiografie als Konzept, Methode und Genre

19. Jan – 4. Sep 2023
Können Dinge ihr Leben selbst erzählen? Die Ausstellung spürt den Ursprüngen des Konzepts der Objektbiographie nach und fragt, was eigentlich ein Dingleben ist und wie unsere Wahrnehmung von Dingen – ihre Biographie – erfasst werden kann.
Grüne Plastik-Gießkanne mit schwarzer Aufsteckvorrichtung
matt glänzende braun-schwarze Espressotasse mit Unterteller in einem glatten, leicht gerundetem Design