Gestaltung entsteht als ein vagabundierender Begriff. Mit dem Aufstieg der Morphologie wurde er auch in ernsthafteren Zusammenhängen verwendet. Gestritten wurde um ihn nicht, so selbstverständlich schien das, wofür er stand.
Als der Bauhäusler Mart Stam den Keramiker Jan Bontjes van Beek im Rektorat der Hochschule für angewandte Kunst im Norden Berlins ablöste, gründete er ein Institut für Gestaltung. Mart Stam wurde schnell wieder vertrieben und das Diktum von der Kunst, die sich nützlich machen soll, wieder hergestellt. Beim Zurückweisen der Kunstansprüche half es, von Formgestaltung zu reden. Und, wie lange Zeit im Westen auch, Gestaltung gegen das bloß marktgängige Konzept Design zu setzen.
Gestaltung, Design, Kunst waren Kampfbegriffe an ideologischen Fronten. Es ist an der Zeit, auf ihre Herkünfte zu schauen und das Durcheinander etwas zu sortieren.
Grußwort und Kurz-Vorstellung des Tagungsbandes:
Prof. Dr. Thilo Schwer, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Designgeschichte
Jörg Petruschat (*1958) studierte Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte und philosophische Ästhetik an der Humboldt-Universität Berlin, war von 1990 bis 2008 Herausgeber der Zeitschrift „form+zweck“ und 1998 Professor für Kultur- und Zivilisationstheorie sowie für Geschichte der Gestaltung in Dresden. Von 2014 bis 2025 war er Professor für Theorie und Geschichte des Designs an der ›weißensee kunsthochschule berlin‹, seit 2019 ist er Leiter des Verlages »form+zweck«. Jörg Petruschat sieht im Design den Entwurf kultureller Modelle. Sein Verständnis von Gestaltung ist an menschlicher Kreativität orientiert, schließt aber die Evolution des Lebendigen und digital basierte Entwicklungen mit ein; er nennt Gestaltung die „Veränderung von Routinen nach Maßgabe eines Selbstmodells“.
Die 2008 im Weimarer Haus Am Horn gegründete Gesellschaft für Designgeschichte e.V. (GfDg) versteht sich als offenes Forum und verfolgt das Ziel, die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Designs zu intensivieren. Sie vernetzt Forschung und Praxis und fördert die öffentliche Auseinandersetzung mit Designgeschichte. Im Juli 2025 veranstaltete die GfDg die Tagung „Zukünfte bilden. Über die Ausbildungsziele des Designstudiums im geteilten Deutschland“, in Kooperation mit der weißensee kunsthochschule berlin und dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge. Der daraus entstandene Tagungsband erscheint nun und wird von Thilo Schwer vorgestellt. Thilo Schwer ist seit 2024 Professor und Studiendekan für Interior Design an der AMD Akademie Mode und Design in Wiesbaden. Ab 2019 war er Professor für Designgeschichte und Designtheorie an der Hochschule der bildenden Künste in Essen (HBK Essen). Thilo Schwer forscht zur Designmethodologie sowie zum Einsatz von Gestaltungsmitteln und publiziert zu designhistorischen und -theoretischen Themen. Gemeinsam mit Siegfried Gronert ist er Initiator der Schriftenreihe der GfDg.