„Sowjetische Avantgarde 1917 bis 1930: Selten in der Geschichte standen Kunst und Wissenschaft einander nicht wie feindliche Brüder gegenüber. Selten trug revolutionäres Pathos so weit in die Zukunft.“ Mit diesem Statement beginnt die Projektausschreibung, mit der Heinz Hirdina im Juni 1989 Studierende aus verschiedenen Fachgebieten der KHB begeisterte. Es folgten intensive Seminare, ein Workshop im Bauhaus Dessau und 1990 eine Entdeckungsreise zu Stätten der Avantgarde nach Moskau. Abschluss war eine Übersetzung der dynamischen Grafik „Der Neuer“ von El Lissitzky ins Dreidimensionale – wie gesagt, eine utopische Konstruktion.
Die sowjetische Avantgarde war ein zentraler Ankerpunkt für Heinz Hirdinas Wirken. Die Hirdina Lecture II zitiert aus Vorlesungen zu Lissitzky, Rodtschenko, Stepanowa, Tatlin und anderen – im Dialog mit Impressionen aus einem außergewöhnlichen KHB-Projekt in der offenen und zugleich verunsichernden Wendezeit.
Silke Ihden-Rothkirch (geb. 1966 in Berlin), Diplom-Designerin, ist als freiberufliche Redakteurin für soziale Organisationen im Bereich Kommunikation tätig. Als Autorin, Kuratorin und Lehrbeauftragte beschäftigt sie sich mit Designgeschichte, ästhetischer Bildung und Designaspekten von Partizipation und Barrierefreiheit. Nach ihrem Studium der Formgestaltung und der Ästhetik war sie Redaktionsmitglied von „form+zweck – Zeitschrift für Gestaltung“ und Co-Autorin von „Designlehren. Wege deutscher Gestaltungsausbildung“ (2008). Ihden-Rothkirch war Mitherausgeberin, Co-Kuratorin und Autorin von Katalog und Ausstellung „Schönheit der Form. Die Designerin Christa Petroff-Bohne“ (Dresden 2020, Hamburg 2021) sowie von „Retrotopia. Design for Socialist Spaces“ (Berlin 2023/24). Aktuelles Projekt ist die Ausstellung „Gestalten für Berlin. Design aus der Kunsthochschule Berlin-Weißensee“ (2026/27) im Werkbundarchiv – Museum der Dinge.
Hirdina Lectures
Heinz Hirdina (1942–2013), Philosoph, Kulturwissenschaftler und Publizist, gilt als einer der wichtigsten Designtheoretiker in der DDR und im geeinten Deutschland. Von 1988 und 2004 hielt er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Vorlesungen zur Theorie und Geschichte des Designs, die diese von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart fächerübergreifend darstellten.
Im Rahmen der Sonderausstellung „Gestalten für Berlin. Design aus der Kunsthochschule Berlin-Weißensee“ werden Vorlesungen Hirdinas von ehemaligen Studierenden erneut aufgegriffen und diskutiert.
Die dreibändige Publikationsreihe mit Heinz Hirdinas Vorlesungen, herausgegeben von Achim Trebeß und vom bauhaus dessau e.V. gefördert, wurden 2020 und 2024 von der Stiftung Bauhaus Dessau im Verlag Spector Books veröffentlicht. Wir danken für die Unterstützung der Veranstaltungen.